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Bericht des Vorstands - Rückblick 2019                      

von Christoph Thoma

 

 

Bericht des Vorstands

 

 

 

Liebe Mitglieder des Vereins Kulturwelt Marktoberdorf e.V.      

Liebe Mitvorstände,

 

 

 

Kultur ist der Sieg der Überzeugung über die Gewalt.    

                                               

 

Ein Satz von Platon, griechischer Philosoph, Schüler des Sokrates  

 

Wir befinden uns in einem Dilemma. In einer gesellschaftspolitischen Krise. Daran sind die Medien schuld, die uns seit Jahrzehnten gebetsmühlenartig einbläuen, dass wir nur uns selbst verantwortlich sind, dass wir unsere Egoismen pflegen und uns unbedingt selbst verwirklich müssen.  

 

John F. Kennedy hat gesagt: „Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt!“ Und: „Frage nicht, was der Staat für Dich tun kann, sondern frage, was Du für den Staat tun kannst!“

 

Derartige Gedanken sind Geschichte, gerade auch in Amerika, wo Politik per Twitter gemacht wird und die jeweils eigene Wahrheit gleich mit dazu. Und wenn wir uns die Situation auf unserem Kontinent anschauen, wo sich einzelne Staaten kategorisch weigern, wenigstens Kindern zu helfen, die im Niemandsland der verlogenen Politik ihre Eltern verlieren, ihre Hoffnung und ihre Zukunft, dann steigt die Furcht vor dem Verlust dieses vereinten Europas, das uns 75 Jahre Frieden gebracht hat.

 

In Deutschland selbst, hat sich vermeintlich Unsagbares inzwischen wieder Freiräume verschafft. Die Ereignisse von Hanau und Erfurt bedrängen die Menschen guten Willens. Der Hass in den Fußballstadien, die um sich greifende Gewalt. Der Verlust demokratischer Werte. Und dass ich kürzlich in einem Eishockeyspiel in Kaufbeuren den Fanblock lauthals grölen hörte: „Landshut verrecke!“. Liebe Mitglieder der „Kulturwelt Marktoberdorf“, das treibt mich um.

 

Dabei leben wir in unserer schönen, kleinen Kulturstadt Marktoberdorf auf einer „Insel der Seligen“. Denn auch wir haben Wahlkampf, auch hier gibt es ein Ringen um Stadtratsmandate und den Bürgermeister-Stuhl. Aber – die Kandidaten haben vernünftigen Umgang miteinander und – vor allem – sie hassen sich nicht.

 

Meine Damen und Herren, es ist nicht selbstverständlich, dass wir hier in Marktoberdorf vier, jederzeit von Demokraten wählbare, ehrbare Kandidaten für das Amt des Bürgermeisters haben. Und es ist in einer Zeit, wo vielerorts Ehrenämter in Vereinen und Verbänden nicht mehr zu besetzen sind, gar nicht selbstverständlich, dass alle Parteien hier ihre Listen mit Bürgerinnen und Bürgern füllen konnten, die sich bereit erklärt haben, zu kandidieren und für die Stadt zu wirken.

 

Wir alle haben tatsächlich die Wahl. Wenn wir die Zerstörer unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung und des Sozialstaats draußen halten wollen, dann müssen wir wählen gehen. Deshalb hier schon mein Appell für den 15. März: bitte gehen Sie zur Wahl, treffen Sie Ihre Wahl. Mit Kumulieren und Panaschieren. Aber bitte - verrechnen Sie sich nicht!

 

 

Das Wirken der Kulturwelt                                                                                             

Unsere selbst gewählte Aufgabe in der inklusiven Gesellschaft unserer Stadt, das ist die Vernetzung und Verdichtung von kulturellen Angeboten, Ereignissen und Institutionen. Wir veranstalten und moderieren. Wir fordern und fördern. Wir erheben die Stimme und setzen uns ein, wenn es darum geht, wertvolle Institutionen wie das „mobilè“ oder die „filmburg“ zu unterstützen.

 

Unsere Vorstellung von einer funktionierenden „Kulturwelt“ ist es, über Sponsoring und die Bereitstellung von finanziellen Mitteln hinaus die Menschen dieser Stadt zusammen zu bringen, Jung und Alt, Frau und Mann, hier lang dahoim oder mit Migrationshintergrund, und Verbindungen zu schaffen. Das ist dann übrigens auch Heimatliebe. Die Ausgestaltung des eigenen Nests.

 

Was ich für Politik und Gesellschaft allgemein gesagt habe, das trifft natürlich auch für unseren kleinen Verein zu. Für die „Kulturwelt Marktoberdorf“. Ich bin ausgesprochen dankbar dafür, dass ich in einem funktionierenden und harmonisch zusammen wirkenden Vorstand arbeiten kann. Auf freundschaftlicher Basis. Und ich danke Lucia Golda, Harald Rüschenbaum und Rolf Kramer für ihr Engagement, für ihre Präsenz und für ihre guten Ideen.

 

Das Jahr 2019 ist eher ruhig und unspektakulär verlaufen, war aber dennoch nicht ereignislos und – Arbeit hatten wir auch. Ich will stichwortartig davon erzählen, was den Verein „Kulturwelt Marktoberdorf e.V.“ 2019  – Vereins- und Kalenderjahr stimmen ja weitgehend überein – umgetrieben hat. Und ich nehme das Fazit vorweg: es war wieder ein erfolgreiches Jahr. 

 

Eckpfosten im Jahreskreis waren wieder unsere beliebten Open-Stage-Konzerte „Lust auf Musik“ hier im „mobilè. In unserem „Vereins-Lokal“. Diese weitum beliebten Sonntagabende, wo mehrmals im Jahr zusammen kommt und musiziert, was nicht zwingend zusammen gehört, wären ohne die fürsorgliche, herzliche, professionelle und unnachahmlich taktvolle Art von Harald Rüschenbaum nicht möglich.

 

Unsere Schriftführerin Luci Golda hat ja dankenswerter Weise für diese Vereinsversammlung wieder einen Pressespiegel zusammengestellt, aus dem hervorgeht, dass wir u. a. das Konzert des „Dieter-Ilg-Trios“ in der „Filmburg“ unterstützt haben und dabei „Auf dem Grat zwischen Barock und Jazz“ getanzt haben. Ein absolutes Highlight – auch was die Lautstärke angeht, war das Konzert des „Harald-Rüschenbaum-Orchesters“- Man stelle sich vor: Virtuoser Bigband-Sound hier im „mobilé“. Und Sie sitzen in der ersten Reihe. Da gab’s was auf die Ohren. Einen Ohrenschmaus.

 

Anlässlich des 35-jährigen Jubiläums der Theaterschule „mobilé“ hat das P-Seminar „Psychologie und Lebensrolle“ am Gymnasium unter Leitung von Claus Strunz ehe-malige Schülerinnen und Schüler zu einer Kultur-Revue eingeladen. Es traten auf: Anna Hofbauer, Nina Reithmeier, Tobias Wimmer, Klaus Philipp und viele andere, an deren Beispiel deutlich wird, welch üppig kreative Kinderstube unsere Stadt ist.

 

Verfestigt hat sich unsere Partnerschaft mit dem Kunstverein Marktoberdorf. Wir sehen uns ja nicht als Konkurrenten, sondern wir arbeiten – mit verschiedenen Schwerpunkten – an ähnlichen Zielen. Und so sind wir gerne der Einladung zu einem gemeinsamen Picknick anlässlich des Museumstags im Künstlerhaus gefolgt.

 

Die „Kulturwelt“ war am „Vogel-Schatten-Spiel“ von und mit Martin Fredebeul und Musikern von „Klangland“ beteiligt. Und wir haben 2019 ein Projekt aufs Gleis gehoben, das 2020 zum Tragen kommen soll: den „Kinder-Kultur-Führer“ Marktoberdorf.

 

Von Kindern für Kinder – unter diesem Motto haben mehrere Jahrgänge der Don-Bosco-Schule Marktoberdorf im Rahmen des inklusiven Nachmittagsunterrichts federführend Texte erstellt und Bilder gemacht, die der Verein „Kulturwelt Marktoberdorf“ nun bündeln und allen Kindern – zugänglich machen will.

 

Federführend sind bei der Recherche die „Don-Bosco-Reporter-Kids“ und die „Don-Bosco-Heimat-Scouts“. Bisher schon erarbeitete Themen sind u. a. das Alemannen-Grab im Stadtmuseum, das Alte Rathaus, die Frauenkapelle, Clemens Wenzeslaus, die Spöttl-Krippe im Stadtmuseum oder die Lindenallee. Partner sind die Don-Bosco-Schule und die Marktoberdorfer Stadtführer.

 

Und wir haben einen neuen, attraktiven Flyer. Bitte mitnehmen und – vor allem – weitergeben. Wie auf unserer Internetseite www.kulturwelt-mod.de so sind auch hier nun alle Vorgaben der Datenschutzgrundverordnung DSGVO eingearbeitet.

 

Meine Damen und Herren, ich komme zum Schluss.                                                             

Ob es die MOD-Festivals sind oder das Hoffest, ob Großveranstaltung oder Klein-Event, wenn wir eine Veranstaltung für sinnvoll erachten und kulturell wertvoll, dann unterstützen wir sie gerne. Mit Geld oder mit ehrenamtlichem Engagement. Und das wird auch so bleiben, wenn Lucia Golda und Patrick Lutz hier im Haus immer mehr Verantwortung übernehmen und somit nach und nach Monika Schubert entlasten, deren Lebenswerk ja die großartige Institution „mobilé“ ist.                                                            

 

Die „Kulturwelt“ will den Schatz an Kunst und Kultur in unserer Stadt bewusst machen. Wir können darauf stolz sein. Die „Kulturwelt“ will auch weiter Fäden knüpfen, Schaltkreise schließen, Verbindungen herstellen und Kulturgeschehen mitgestalten. Wie schon öfter gesagt, wir wollen moderieren, vernetzen, anstoßen, unterstützen.

 

In seiner Dichtung „Die Stadt in der Wüste“ sagt Antoine de Saint-Exupéry:

 

 

„Eine Kultur beruht auf dem, was von den Menschen gefordert wird und nicht auf dem, was sie geliefert erhalten."

 

 

Darum geht es! Das ist auch die Aufgabe der „Kulturwelt“. Zu fordern und zu fördern.