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Bericht des Vorstands - Rückblick 2018                      

von Christoph Thoma

 

Liebe Mitglieder des Vereins Kulturwelt Marktoberdorf e.V.                                              

Liebe Mitvorstände,

Kultur ist die Widerstandsbewegung gegen die Tyrannei der Zivilisation.

Ein Satz von Wilhelm Lichtenberg, 1960 gestorbener Schweizer Theaterautor.  

Wir verstehen uns nicht als eine im Untergrund agierende Widerstandsbewegung. Das ist nicht nötig, und wäre ja auch Blödsinn, angesichts des Kulturangebots in unserer Stadt, das ungleich größer und vielfältiger ist als in den meisten Städten Bayerns vergleichbarer Größe. Gegen die Tyrannei der Zivilisation kämpfen wir aber schon, mit Leidenschaft und mit unseren Angeboten. 

Unser Angebot an die Gesellschaft ist die Vernetzung von kulturellen Angeboten und Institutionen. Wir veranstalten und moderieren. Wir fordern und fördern. Wir werfen unseren Hut in den Ring und setzen uns ein, wenn es darum geht Institutionen wie das „mobilè“ oder die „filmburg“ zu unterstützen. Moderne Kulturförderung ist viel mehr als die Bereitstellung von Geld. Kulturförderung und letztlich auch Sponsoring funktioniert nur über die Verbindung der Menschen, die sich mit ihr identifizieren.

Wenn ich von der Tyrannei der Zivilisation spreche, dann meine ich auch das gesellschaftliche Problem, dass wir zwar im Wohlstand leben und die meisten von uns finanziell gut gestellt sind, dass aber die Bereitschaft, sich in einem Verein zu engagieren und Ehrenämter zu übernehmen in erschreckendem Maße abnimmt. 

Schon vor Jahresfrist habe ich beklagt, dass es auch für einen kleinen, überschau-baren Verein wie die „Kulturwelt“ immer schwieriger wird, Menschen zu finden, die sich bereit erklären, in der Vorstandschaft mitzuwirken, ob nun gewählt oder als Beirat kooptiert. Ich habe viele Gespräche geführt und höre auch aus anderen Vereinen, dass immer mehr Vorstandsposten vakant sind, dass es nicht gelingt, Kandidaten zu finden, sogar zu Vereinsauflösungen ist es schon gekommen, weil niemand den Vorsitzenden machen wollte.

2018 hat uns dankenswerter Weise Bernd Jankowski kurzfristig bei der Erstellung und Befüllung unserer Internetseite geholfen. Und Harald Rüschenbaum hat sich in der zweiten Jahreshälfte nicht nur mit der DSGVO herumgeschlagen, sondern un-sere Homepage neu aufgesetzt bzw. umgezogen. Sie ist nun leichter zu bedienen bzw. zu befüllen. Die neue Adresse lautet – bitte notieren: www.kulturwelt-mod.de  

 

Es ist der sogenannte „Zeitgeist“, der Modetrend zur Unverbindlichkeit, die Tyrannei der Zivilisation, die unseren sozialen Kitt austrocknen und wegbrechen lassen. Ein ärgerliches Phänomen ist da z. B. dass sich kaum mehr jemand für Veranstaltungen  anmeldet. Es könnte ja noch was Besseres kommen und eine Karte an der Abend-kasse kriege ich ja immer noch, so lautet das Motto! Das Prinzip des Sich-ja-nicht-Festlegens“ macht viel kaputt und hält Veranstalter bis zur letzten Sekunde in Atem. Die Vorbereitung ist schwierig. Man geht ja in Vorleistung. Ganz profan: Wie viele Wurstsemmeln müssen hergerichtet werden?  

 

Meine Damen und Herren, liebe Mitglieder,                                                                           

die personelle Situation ist nicht einfacher geworden: denn wir wissen seit dem Sommer, dass unsere langjährige Schatzmeisterin Sonja Weber sich aus privaten, persönlichen Gründen – sie bekommt im Frühjahr ihr zweites Kind – aus der Vor-standschaft zurückzieht. Dafür haben wir großes Verständnis und sind glücklich darüber, nach längerer Suche und vielen Gesprächen, einen möglichen Nachfolger gefunden zu haben, der sich heute – mit der übrigen Vorstandschaft - zur Wahl stellt.  

Dazu später mehr, zunächst will ich noch stichwortartig davon erzählen, was den Verein „Kulturwelt Marktoberdorf e.V.“ 2018 – Vereins- und Kalenderjahr stimmen ja weitgehend überein – umgetrieben hat. Und ich nehme das Fazit vorweg: es war ein sehr erfolgreiches und ereignisreiches Jahr.  

Wir waren wieder Veranstalter bzw. Förderer der beliebten Open-Stage-Konzertreihe „Lust auf Musik“ im „mobilè. Hier danke ich einmal mehr Harald Rüschenbaum, der auf seine liebenswerte, charmante, professionelle und taktvolle Weise mit unnach-ahmlicher Überzeugungskraft und der Naturbegabung für den Rhythmus des Vor-gehens locker zusammenbringt, was nicht von Natur aus zusammengehört.

Wir haben wieder das „Hoffest“ unterstützt, weil hier ja das „mobilè“ die Federführung hat. Unserer Aufgabe als Förderer und Moderatoren im Kulturbetrieb der Stadt sind wir auch dadurch nachgekommen, dass wir unseren kleinen Beitrag zum Gelingen von „Musica Sacra“ und der „Allgäuer Filmkunstwochen“ geleistet haben.

Die „Kulturwelt“ hat außerdem auch wieder – und schon fast traditionell - die Ver-wirklichung des Projekts „Theatrino“ ermöglicht, wo Schauspielerinnen und Schau-spieler aus dem „mobilé“ unter Regie von Monika Schubert pädagogisch wertvolle Jugendstücke mit Jugendlichen erarbeiten und auch in die Schulen gehen.. 

Was uns freut, als kleiner Verein mit begrenzten finanziellen Mitteln, dass wir immer wieder kleine und auch durchaus größere Spenden bekommen. Da sind für 2018 vor allem die Sparkasse Allgäu und die Firma AGCO-Fendt zu nennen. Die „Kulturwelt“ ist als gemeinnützig anerkannt und berechtigt, Spendenquittungen auszustellen. 

Unsere scheidende Schatzmeisterin Sonja Weber, hat uns auch auf der Internet-Plattform „better place“ angemeldet, die Spenden für Projekte oder Organisationen bündelt. Man gibt einfach seinen Ort ein und wählt die Institution aus, die man unter-stützen will. - Die Spendenquittung kommt dann automatisch von „better place“.  Infos dazu finden Sie auf unserer neuen Homepage: www.kulturwelt-mod.de 

Wichtigster Punkt im Vereinsgeschehen 2018 und unzweifelhaft ein Höhepunkt im kulturellen Leben unserer Stadt, war das überaus erfolgreiche kleine Festival zu Ehren des berühmten Alpenmalers Giovanni Segantini. 

 

Der Himmel, die Berge, das Licht.                                                                                          

„Kulturwelt Marktoberdorf e.V.“ und „Kunstverein Marktoberdorf“ veranstalteten ge-meinsam die „Segantini-Tage“ mit Vorträgen, Referaten, Musik und großem Kino. Uraufführung hatte meine poetische Bilderreise mit dem Titel „Über den Bergen der Himmel: Giovanni Segantinis Suche nach dem Licht“ am Freitag, 20. April, in der „filmburg“, die von der Malerin Anna Engert aus Ruderatshofen ergänzt wurde. Sie näherte sich Segantini von der emotionalen Seite: „Giovanni Segantini – ein Grenz-gänger“, so der Titel ihres Referats. 

Am Samstag, 21. April, zeigte Monika Schubert in „filmburg“ den preisgekrönten Film „Segantini –Magie des Lichts“. Der Pianist Martin Vatter aus Füssen umrahmte beide Abende mit seiner Musik. Charmanter Ehrengast war Gioconda Leykauf-Segantini, die Enkelin des Malers, die von der Kulturstadt Marktoberdorf und dem Engagement der „Kulturwelt“ so begeistert war, dass sie im November gleich noch einmal unserer Einladung gefolgt ist, um aus der von ihr verfassten Biografie ihres Großvaters vorzu-tragen bzw. zu lesen. Die Matinee im „mobilè“ war ein würdiger Abschluss – wenn man so will – des Seganini-Jahrs in Marktoberdorf. 

Gioconda Segantini ist übrigens mittlerweile Mitglied der „Kulturwelt Marktoberdorf“. 

Was uns sehr stolz macht, die Segantini-Veranstaltungen haben Gäste aus nah und fern angelockt. Und – auch nicht selbstverständlich - wir hatten an den Festival-Tagen alle drei Marktoberdorfer Bürgermeister zu Gast und bekamen viel Anerkennung aus der Stadt.   

Meine Damen und Herren, ich komme zum Schluss.                                                           

Die Kulturwelt will den Reichtum an Kunst und Kultur in unserer Stadt bewusst machen. Der Verein „Kulturwelt“ will Fäden knüpfen, Schaltkreise schließen, Verbindungen herstellen und das Kulturgeschehen mitgestalten. Wie gesagt, wir wollen moderieren, vernetzen, anstoßen, unterstützen.

Der deutsche Aphoristiker Helmut Glaßl hat einmal gesagt

„Es muss nicht gleich das Weltkulturerbe sein. Der Erhalt des Stadt- und Landkulturerbes wäre schon mal ein Anfang!“

Darum geht es! Das ist die „Kulturwelt“. 

Liebe Mitglieder der „Kulturwelt Marktoberdorf“, über Konkretes, Neues genau in diesem Sinn, darf ich Sie später in meinem Ausblick auf das Jahr 2019 informieren. 

 

Mit dem Dank an meine Vorstandskollegen für die geleistete Arbeit und das ehren-amtliche Engagement schließe ich den Bericht des Vorstands über das abgelaufene Vereinsjahr und bitte unsere Schatzmeisterin Sonja Weber, um ihren Kassen- bzw. Finanzbericht.